Gemeinsam fremdgehen – Sex zu viert, wie im Porno

In der Neonausgabe 01/2010 findet der Leser unter den Seiten 66-70 eine Reportage von dem 28-Jährige Thile Mischke. Der in Berlin lebende Autor erzählt: „Meine Freundin sagt mir, dass sie Angst hat, etwas zu verpassen. Ich sage ihr, dass ich mir etwas ausdenken werde, für uns.”

Die Antwort findet er im WorldWideWeb. Auf www.adultfirendfinder.com, einer Swingerseite, regestiert er sich und seine Freundin und hält Aussicht auf ein anderes Paar, damit man gemeinsam zu viert Sex haben kann. Doch zuerst zieht sich das Paar komplett vor der virtuellen Welt aus. Intime Bilder, Pornos, alles wird hochgeladen und durch die User kommentiert.
Schlussendlich lassen sich die beiden mit einem jüngern Paar ein, welches an Stelle von sieben nur drei Jahre zusammen ist. „Wir sind jetzt drei Jahre zusammen, wir wollten etwas Neues ausprobieren!” Mischke sieht dann zu, wie seine Freundin mit einen fremden Mann Sex hat, er dafür im Umkehrschluss hat Sex mit einer fremden Frau. Er selbst flüstert sich dabei zu, „ich bin nicht eifersüchtig, und unsere Beziehung ist stark wie Beton!”

Ich hatte die Neon aus reiner Neugier gekauft, und wiederum hat der alte Slogan „Sex sells!” gewirkt. Nachdem ich mir den Artikel heute Morgen, einem Sonntag morgen, um  9.30 Uhr reingezogen hatte, war mir schlecht.
Unfassbar, dass es für das Paar möglich war, mit wildfremden Menschen, im Einverständis des Partners Sex zu haben. Dieser so wörtlich „Mix aus Neugier und Eifersucht” hatte sie dabei angetrieben. Interessant ist, dass Mischke behauptet, seine Partnerin liebe ihn. Den beiden, steht nun das Fremdgehens offen. Man geht nicht mehr zu viert ins Kino, sondern man trifft sich zum Sex. Was ich aber nicht verstehe ist, dass die beiden anscheinend schon über sieben Jahre zusammen sind, jedoch das Gefühl haben etwas zu verpassen. Warum aber nicht einfach die Beziehung zu trennen, wir nicht beleuchtet! Folgender Schluss kann deshalb gezogen werden: Die beiden wollen ein Paar bleiben, weil keiner von ihnen alleine sein kann, auf der anderen Seite sind sie nun als Schwinger aktiv um den „Singlestatus” zu haben. Mein Tipp deshalb, erstens nicht in der Neon darüber zu publizieren, zweitens die Bilder nicht hochladen (wobei dann tausende von User keine Kommentare hätten abgeben können) und drittens lieber solo sein. Dann könne man doch solo, so „die Gesellschaft”, Sodom und Gomorrha ausleben. Wenn die beiden aber weiterhin, das machen was sie gerade tun, wird einer von den beiden darunter leiden. Denn die Faustregel sagt, dass einer immer mehr liebt. Beide wollen Neues und Unerfahrenes erleben, dabei wird die Beziehung an einer Kleinigkeit scheitern: „Der Eifersucht!”

Der andere Gesichtspunkt ist, dass, was die beiden tuen, per se nicht in Ordnung geht. Klar, hat jeder persönliche Freiheiten, jedoch sollte unsere Gesellschaft auch von Moral und nicht nur Freizügigkeit geprägt sein! Welchen Stellenwert hätten denn dann noch Familie, Treue, Ehre?

Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter hatte im selben Heft auf Seite 154 folgenden Ratschlag gegeben, es wäre gut daran gewesen ihn aus Sicht des Paares zu befolgen: „Man muss Gefühle nicht erleben, um von ihnen erzählen zu können!”

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