Radikale Juden in Jerusalem

Seit über 60 Jahren hält der Konflikt an. Im 21. Jahrhundert glauben eigentlich nur noch Optimisten, dass es eine reelle Chance  auf einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geben könnte. Nach den jüngsten, unter anderem tödlichen Zwischenfällen, an der israelisch-syrischen Grenze und im Westjordanland spitzt sich die Lage zwischen den zwei Völkern zu. Abzuwarten gilt ob sich im September 2011 Abbas dazu entschließen wird, vor der UN-Hauptversammlung die Debatte um die Gründung eines Staates Palästina neu zu entfachen. Bis dahin ist die Lage weiterhin ungewiss und angespannt. Über eine dritte Intifada wird schon spekuliert.

1967 eroberten im Sechs-Tage-Krieg die Israelis den östlichen Teil (Altstadt mit Tempelberg und Klagemauer) von Jerusalem. Seitdem feiern Israelis jedes Jahr die Wiedervereinigung von West- und Ostjerusalem, die im Jerusalemgesetz von 1980 als vollständige und vereinigte Hauptstadt Israels bezeichnet wird. Der UN-Sicherheitsrat hat in Revolution 487 dieses Gesetz als nichtig erklärt. Aus diesem Grund befinden sich bis heute die meisten Botschaften nicht in Jerusalem, sondern in der Gründungsstadt Tel Aviv.

Nichtsdestotrotz sind viele Israelis der Ansicht, dass das „vereinigte“ Jerusalem komplett nur den Juden als Hauptstadt gehören darf.
Ohne Rücksicht auf die arabische Bevölkerung wird jedes Jahr der Jerusalem-Tag gefeiert. Auf welche Art und Weise israelisch politisch-rechts gesinnten Jugendlichen diesen Feiertag am 1. Juni 2011 „feiern“ ist erschreckend: Der Beitrag von ARD-Korrespondent Richard C. Schneider lässt jede Hoffnung auf einen Frieden im Nahost-Prozess schwinden.

ARD-Beitrag: Jerusalem-Tag: Feier und Provokation

Lümmelhaftes Israel

Die Mentalität im Nahen Osten, vor allem hier in Jerusalem, ist schon etwas grotesk: Wenn man nicht aufpasst, wird man von jedem zweiten Auto beinahe rücksichtslos überfahren, und falls nein von den nächst besten Passanten vom Bürgersteig auf die Straße gestoßen. Dabei hupen freie Taxis unverschämt Passanten auf der Straße an, im Restaurant klauen Nachbarn ohne zu Fragen den freien Stuhl am eigenen Tisch. Männer kommen sehr selten auf die Idee, einer Frauen die Tür aufzuhalten oder den Mantel abzunehmen. Und Vermieter nehmen sich das Recht heraus nach Lust und Laune ihre Mieter ohne Vorankündigung mehrmals in der Woche zu besuchen.
Dabei sind stets alle im Stress: In Israel wird mit mindestens 70 Dezibel kommuniziert (normale Lautstärke eines Gesprächs sind 55 Dezibel). Auf eine ruhige und besonnene Konversation wartet man so lange wie auf eine Einigung im Friedensprozess. Freilich ist entscheidend, aus welchem Land der Gesprächspartner stammt und welche Benimmregeln er an den Tag liegt, nichtsdestotrotz darf sich Israel für seine „israelische Frechheit” rühmen, so Roberto Strauss, der Autor von Kauderwelsch für Hebräisch.

In Jerusalem prellen die verschiedenen Religionen und Traditionen der drei Gruppen Juden, Muslime und Christen aufeinander. Diese spiegeln sich nicht nur in dem Nahost-Konflikt wider, sondern auch in der Art und Weise, wie hier kommuniziert wird: Nicht europäisch oder zivilisiert, sondern laut, respektlos, forsch und rücksichtslos. Deshalb mein Tipp für Israel: Mit Besonnenheit kommt man hier nicht weit, mit einer gewissen Lethargie schon eher.

Enklave westlicher zivilisierter Kultur: Bar an der Jaffastraße

Enklave westlicher zivilisierter Kultur: Bar an der Jaffastraße

Hart aber fair: 84% der Zuschauer für Sarrazin!

In der Sendung „Hart aber fair” vom 01.09.2010 war so einiges los. Der Autor Thilo Sarrazin selbst, der Publizist und Moderator Michel Friedmann, die WDR-Moderatorin Asli Sevindim, Historiker und Politikwissenschaftler Prof. Arnulf Baring und Rudolf Dressler, SPD Mitglied und Ex-Botschafter in Israel, diskutierten anderthalb Stunden über das neue Buch: Deutschland schafft sich ab. Einige Anmerkungen zur Sendungen hier:

1. Oftmals drehte sich die Debatte um die These der vererbaren Intelligenz. Plasberg ließ keine Zitate der Gäste zu, zitierte aber die ganze Zeit selbst.

2. Der Moderator vergaß am Ende mitzuteilen , dass über 84% der Zuschauer mit Sarrazin übereinstimmen. Er sprach nur von einer Mehrheit und wollte den Prozentsatz der rechtsradikalen Kommentare wissen. (5%)

3. Wer nun Recht habe sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat man das Gefühl als Zuschauer nicht losbekommen, dass die Mehrheit der Gäste das Buch auch annähernd komplett gelesen, sondern sich nur auf einige Seiten beschränkt haben.

4. Die Aussage von Rudolf Dressler am Ende war treffend: Er wollte schon vor Jahrzehnten die Debatte um die Integrationspolitik in Bonn beleben, wurde aber hart von allen Parteien abgewiesen. Dies sei “gesellschaft-politisch” nicht gerechtfertigt. Dressler brachte das Beispiel, dass jeder der in das Land Israel emmigrieren wolle, in sechs Monaten nachweisen muss, das er einen hebräischen Sprachkurs gemacht hat. Falls nicht so, gibt es keine staatliche Unterstützung. Denn nur durch Sprache und Akzeptanz der anderen Kultur schaffe man Integration, Assimilation werde ja von keinem verlangt, so Dressler.

Fazit:

Erstens muss das Buch von Sarrazin erstmal gelesen werden, bevor über dessen Inhalt ein Urteil gefällt werden kann. Fest steht, dass die SPD ihn wegen einem Zitat in dem Interview der Welt-Online aus der Partei ausschließen möchte, nicht aber wegen des Buches!

Zweitens ist es wichtig, dass in Deutschland eine Debatte um die gescheiterte Integrationspolitik geführt wird. Falls dies wieder von den inkompetenten Politikern aufgeschoben wird, da dies gesellschaftlich-politisch nicht korrekt sei, besteht die Gefahr, dass sich die kommenden nächste Generation mit einem erstarkten rechten Spektrum auseinander setzten könnte.

Drittens ist es meines Erachtens nicht zu viel verlangt, von Menschen die gerne in einem fremden Staat leben zu verlangen, dass sie zum einen die Sprache sowie die dort herrschende Gesetzgebung (Grundgesetz) erlernen und anerkennen. Andere Länder wie z.b. Israel, Kanada oder Neu Seeland verlangen diese auch von ihren Einwanderern.

Jerusalem – jeder will sie

Ein orthodoxer Jude auf dem Tempelberg (Photo von n24)

Sie durfte noch niemals ausspannen. Keine in der Geschichte vergleichbare Metropole hat so viele Aufsehen erregt wie Jerusalem. Bis heute wird die Heilige Stadt von vielen Historikern als der Nabel der Welt bezeichnet, denn unter ihren Fittichen befinden sich die drei Hauptreligionen: Christentum, Judentum und der Islam. Wie eine hübsche Dame wird sie dabei von drei Herren seit schon Jahrtausenden umgarnt – Das Problem ist nur, dass keiner bei dem Kampf um die Gunst der Dame nachgibt, und sie einem der Konkurrenten überlassen würde.

Welche Konflikte bei diesem religiösen Liebesspiel zwischen den Gentlemen stattfinden, wie ein Leben in der Jerusalem auf engsten Raum zwischen den verschiedenen Kulturen und Traditionen überhaupt möglich ist, damit beschäftigte sich das ZDF-Auslandsjournal und erstellte eine sehenswerte Reportage mit Jerusalem-Pilger, Siedler und Soldaten.

Moses. Aaron. Paul Kalkbrenner.

Bevor die neue Woche beginnt, wollen wir Euch noch einen schönen Song von Paul Kalkbrenner mit auf dem Weg geben. Auch als Moses mit dem Volk Israel in der Wüste unterwegs war, hatte er zuvor bei Gott um Hilfe gebeten. Und diese kam in Form seines Bruders Aaron. Viel Spass bei Paul Kalkbrenner – Aaron:

Plakativer Aufreisser von Spiegel ONLINE über Israel

Am 16.03.2010 veröffentlichte Bernhard Zand auf Spiegel ONLINE den lesenswerten Kommentar Israelische Farce – Netanjahu gegen den Rest der Welt.

Ob jedoch die Redaktion den Eye-Catcher nicht etwas zu gewagt ausgewählt hat, dies kann jeder für sich selbst entscheiden:

Der israelische Premierminister Netanjahu (Screenshot vom 16.03.2010, URL: www.spiegel.de)

Israel, Palästina und die Mauer

2002 hat die israelische Regierung mit dem Bau des Sicherheitszaunes um das Westjordanland begonnen mit der Begründung, durch den Zaun sich vor terroristischen Übergreifen der Hamas und anderer Terrorgruppen schützen zu können. Knapp acht Jahre später sind die Terroranschläge im Land gesunken, doch für die Sicherheit der Israelis mussten die Palästinenser einen hohen Preis bezahlen: Ihre Freiheit. Die Reportage bei ARTE am 30.01.2010 Israel: Die Menschen am „Sicherheitszaun” zeigt auf, inwieweit die Mauer keinen Frieden sondern nur Missvertrauen, Leid und Hass zwischen den beiden Völkern schürt.

Obamas Friedens Nobelpreis 2009 – Ein Witz!

Wie konnte dies passieren? Ein US Präsident bekommt nach neun Monaten im Amt den höchst dotierten Preis des norwegische Komitees in Oslo zugesprochen und zwar  für seinen Errungenschaften „in der Stärkung der internationalen Diplomatie”. Obama freut sich natürlich über diesen fatalen Fehlgriff bzw. PR Akt des Komitees und wird somit auf dem Papier auf eine Stufe mit Mutter Teresa und Nelson Mandela gehoben.
Ein Politiker sollte anhand seiner Errungenschaften und Taten gemessen werden, und nicht an seinen Worten. Schon Altkanzler Schmidt warnte richtigerweise:

„Rhetorik wird als eine der wichtigsten Künste des Politkers angesehen. Die Rhetorik hilft allerdings auch, eine Wahrheit zu verschleiern.“

Sobald Obama auch seinen oftmals treffenden Worten in dem Nahost-Konflikt, den Kriegen im Irak und Afghanisten und der internationelen Atompolitik Taten folgen würde, könnte man vielelicht in ein paar Jahrzehnten darüber debattieren, ob man ihn mit einer Auszeichnung ehren solle. Doch mit dieser Lobbyentscheidung kann der Normalbürger das norwegische Komitee nicht mehr ernst nehmen. Ein ist sicher, Albert Nobel hat sich heute bestimmt im Grab umgedreht!

Er freut sich als 44. Präsident der USA, Barack Obama (Photo von Pete Souza)

Er freut sich als 44. Präsident der USA, Barack Obama (Photo von Pete Souza)

Sind Soldaten Mörder?

Kurt Tucholsky hat im Jahr 1931 folgendes Zitat in der Weltbühne verfasst: „Soldaten sind Mörder”

Tucholsky, Käsnter, Zuckmayer und Zweig waren unter anderem die damaligen Autoren des kritischen Blattes. 1933 wird das Blatt von den  Nationalsozialisten verboten.

„Breaking the silence” hat einen Bericht vorgelegt, dass im Gazakrieg (2008/2009) die israelischen Streitkräfte verbotenerweise gegen die Zivilbevölkerung militärisch vorgeganen seinen und unter anderem durch ihre Vorgesetze zum Töten aufgefodert worden sind:  „Wenn Du nicht sicher bist, töte!”, beschrieb ein Soldat das Vorgehen im Gaza-Krieg. „Wir haben zwar nicht den Befehl erhalten, auf alles zu schießen, was sich bewegt”, wurde ein Veteran in dem Bericht der Organisation zitiert, „aber wir wurden angewiesen, wenn du dich bedroht fühlst, schieße!”

Der Kritiker wusste schon knapp 80 Jahre davor, dass in einem Krieg nicht nach den ethnischen Grundregeln gespielt wird, denn häufig sind eben Soldaten Mörder. Den lesenswerten Artikel der ZEIT, welcher sich mit den Streitkräften Israels im Gaza-Krieg(Operation Gegossenes Blei) beschäftigt, finden Sie hier.

2 Gesichter haben: Jude und Araber sein

In Israel haben circa 1,5 Millionen Araber eine israelische Staatsbürgerschaft; dies entspricht ungefähr 20% der Bevölkerung. Der neue rechtspopulistische Außenminister Liebermann will per Gesetz erzwingen lassen, dass die iraelischen Araber mit einem Eid auf ihr Vaterland Israel schwören müssen. Wie es den Araber, mit israelischen Pass, wirklich ergeht, interessierte jetzt.de von der süddeutschen und interviewte hierzu Lucy, eine israelische Araberin.

Das Interview mit dem Titel „Kein Tag, an dem ich nicht streite,” ist hier zu finden und zeigt auf wie schwierig es ist zwischen den zwei Fronten zu leben.