Lümmelhaftes Israel

Die Mentalität im Nahen Osten, vor allem hier in Jerusalem, ist schon etwas grotesk: Wenn man nicht aufpasst, wird man von jedem zweiten Auto beinahe rücksichtslos überfahren, und falls nein von den nächst besten Passanten vom Bürgersteig auf die Straße gestoßen. Dabei hupen freie Taxis unverschämt Passanten auf der Straße an, im Restaurant klauen Nachbarn ohne zu Fragen den freien Stuhl am eigenen Tisch. Männer kommen sehr selten auf die Idee, einer Frauen die Tür aufzuhalten oder den Mantel abzunehmen. Und Vermieter nehmen sich das Recht heraus nach Lust und Laune ihre Mieter ohne Vorankündigung mehrmals in der Woche zu besuchen.
Dabei sind stets alle im Stress: In Israel wird mit mindestens 70 Dezibel kommuniziert (normale Lautstärke eines Gesprächs sind 55 Dezibel). Auf eine ruhige und besonnene Konversation wartet man so lange wie auf eine Einigung im Friedensprozess. Freilich ist entscheidend, aus welchem Land der Gesprächspartner stammt und welche Benimmregeln er an den Tag liegt, nichtsdestotrotz darf sich Israel für seine „israelische Frechheit” rühmen, so Roberto Strauss, der Autor von Kauderwelsch für Hebräisch.

In Jerusalem prellen die verschiedenen Religionen und Traditionen der drei Gruppen Juden, Muslime und Christen aufeinander. Diese spiegeln sich nicht nur in dem Nahost-Konflikt wider, sondern auch in der Art und Weise, wie hier kommuniziert wird: Nicht europäisch oder zivilisiert, sondern laut, respektlos, forsch und rücksichtslos. Deshalb mein Tipp für Israel: Mit Besonnenheit kommt man hier nicht weit, mit einer gewissen Lethargie schon eher.

Enklave westlicher zivilisierter Kultur: Bar an der Jaffastraße

Enklave westlicher zivilisierter Kultur: Bar an der Jaffastraße

Jerusalem – jeder will sie

Ein orthodoxer Jude auf dem Tempelberg (Photo von n24)

Sie durfte noch niemals ausspannen. Keine in der Geschichte vergleichbare Metropole hat so viele Aufsehen erregt wie Jerusalem. Bis heute wird die Heilige Stadt von vielen Historikern als der Nabel der Welt bezeichnet, denn unter ihren Fittichen befinden sich die drei Hauptreligionen: Christentum, Judentum und der Islam. Wie eine hübsche Dame wird sie dabei von drei Herren seit schon Jahrtausenden umgarnt – Das Problem ist nur, dass keiner bei dem Kampf um die Gunst der Dame nachgibt, und sie einem der Konkurrenten überlassen würde.

Welche Konflikte bei diesem religiösen Liebesspiel zwischen den Gentlemen stattfinden, wie ein Leben in der Jerusalem auf engsten Raum zwischen den verschiedenen Kulturen und Traditionen überhaupt möglich ist, damit beschäftigte sich das ZDF-Auslandsjournal und erstellte eine sehenswerte Reportage mit Jerusalem-Pilger, Siedler und Soldaten.

Plakativer Aufreisser von Spiegel ONLINE über Israel

Am 16.03.2010 veröffentlichte Bernhard Zand auf Spiegel ONLINE den lesenswerten Kommentar Israelische Farce – Netanjahu gegen den Rest der Welt.

Ob jedoch die Redaktion den Eye-Catcher nicht etwas zu gewagt ausgewählt hat, dies kann jeder für sich selbst entscheiden:

Der israelische Premierminister Netanjahu (Screenshot vom 16.03.2010, URL: www.spiegel.de)

Israel, Palästina und die Mauer

2002 hat die israelische Regierung mit dem Bau des Sicherheitszaunes um das Westjordanland begonnen mit der Begründung, durch den Zaun sich vor terroristischen Übergreifen der Hamas und anderer Terrorgruppen schützen zu können. Knapp acht Jahre später sind die Terroranschläge im Land gesunken, doch für die Sicherheit der Israelis mussten die Palästinenser einen hohen Preis bezahlen: Ihre Freiheit. Die Reportage bei ARTE am 30.01.2010 Israel: Die Menschen am „Sicherheitszaun” zeigt auf, inwieweit die Mauer keinen Frieden sondern nur Missvertrauen, Leid und Hass zwischen den beiden Völkern schürt.

Obamas Friedens Nobelpreis 2009 – Ein Witz!

Wie konnte dies passieren? Ein US Präsident bekommt nach neun Monaten im Amt den höchst dotierten Preis des norwegische Komitees in Oslo zugesprochen und zwar  für seinen Errungenschaften „in der Stärkung der internationalen Diplomatie”. Obama freut sich natürlich über diesen fatalen Fehlgriff bzw. PR Akt des Komitees und wird somit auf dem Papier auf eine Stufe mit Mutter Teresa und Nelson Mandela gehoben.
Ein Politiker sollte anhand seiner Errungenschaften und Taten gemessen werden, und nicht an seinen Worten. Schon Altkanzler Schmidt warnte richtigerweise:

„Rhetorik wird als eine der wichtigsten Künste des Politkers angesehen. Die Rhetorik hilft allerdings auch, eine Wahrheit zu verschleiern.“

Sobald Obama auch seinen oftmals treffenden Worten in dem Nahost-Konflikt, den Kriegen im Irak und Afghanisten und der internationelen Atompolitik Taten folgen würde, könnte man vielelicht in ein paar Jahrzehnten darüber debattieren, ob man ihn mit einer Auszeichnung ehren solle. Doch mit dieser Lobbyentscheidung kann der Normalbürger das norwegische Komitee nicht mehr ernst nehmen. Ein ist sicher, Albert Nobel hat sich heute bestimmt im Grab umgedreht!

Er freut sich als 44. Präsident der USA, Barack Obama (Photo von Pete Souza)

Er freut sich als 44. Präsident der USA, Barack Obama (Photo von Pete Souza)

Sind Soldaten Mörder?

Kurt Tucholsky hat im Jahr 1931 folgendes Zitat in der Weltbühne verfasst: „Soldaten sind Mörder”

Tucholsky, Käsnter, Zuckmayer und Zweig waren unter anderem die damaligen Autoren des kritischen Blattes. 1933 wird das Blatt von den  Nationalsozialisten verboten.

„Breaking the silence” hat einen Bericht vorgelegt, dass im Gazakrieg (2008/2009) die israelischen Streitkräfte verbotenerweise gegen die Zivilbevölkerung militärisch vorgeganen seinen und unter anderem durch ihre Vorgesetze zum Töten aufgefodert worden sind:  „Wenn Du nicht sicher bist, töte!”, beschrieb ein Soldat das Vorgehen im Gaza-Krieg. „Wir haben zwar nicht den Befehl erhalten, auf alles zu schießen, was sich bewegt”, wurde ein Veteran in dem Bericht der Organisation zitiert, „aber wir wurden angewiesen, wenn du dich bedroht fühlst, schieße!”

Der Kritiker wusste schon knapp 80 Jahre davor, dass in einem Krieg nicht nach den ethnischen Grundregeln gespielt wird, denn häufig sind eben Soldaten Mörder. Den lesenswerten Artikel der ZEIT, welcher sich mit den Streitkräften Israels im Gaza-Krieg(Operation Gegossenes Blei) beschäftigt, finden Sie hier.

2 Gesichter haben: Jude und Araber sein

In Israel haben circa 1,5 Millionen Araber eine israelische Staatsbürgerschaft; dies entspricht ungefähr 20% der Bevölkerung. Der neue rechtspopulistische Außenminister Liebermann will per Gesetz erzwingen lassen, dass die iraelischen Araber mit einem Eid auf ihr Vaterland Israel schwören müssen. Wie es den Araber, mit israelischen Pass, wirklich ergeht, interessierte jetzt.de von der süddeutschen und interviewte hierzu Lucy, eine israelische Araberin.

Das Interview mit dem Titel „Kein Tag, an dem ich nicht streite,” ist hier zu finden und zeigt auf wie schwierig es ist zwischen den zwei Fronten zu leben.

Netanjahu nimmt die Linken & Rechten mit – nicht etwas zu viel Gewicht für eine Jolle?

Benjamin Netanjahu hat es geschafft. Zum zweiten mal in seiner poltischen Karriere darf er als Ministerpräsident von Israel auf die politische Bühne zurückkehren.
Als Vorsitzender der konservativen Partei Likud konnte er mit den Sitzen der rechten Partei Israel Beitenu mit deren Vorsitzenden Avigdor Lieberman und mit den Stimmen der ultrakonservativen Partei nicht die Mehrheit in der Knesset erlangen. Nun schaffte er es in dieser Woche, gegen den herben Widerstand seiner eigenen wie auch fernen Parteigenossen die linke Arbeiterpartei Awoda mit in die Kolation miteinzuschließen. Somit besitzt nun die Koaltion 66 der 120 Sitze in der Knesset.

Im Nahen Osten regiert nun unter der Führung von Netanjahu eine Koalition welche das ganze politische Spektrum, von links bis rechts insich vereinigt. Fraglich ist, ob diese Koalition im Friendsprozess mit ihrem hohen rechten-ultrakonservativen Anteil überhaupt in der Lage ist politische Fortschritte zu machen.
Zweitens werden die Abgeordenten der vier verschiedenen Parteien(!) erhebliche Probleme haben konstruktiv miteinander zu kommunizieren um beispielsweiße Gesetze und Beschlüsse verabschieden. Zudem sei dahin gestellt ob Präsident Shimon Peres,  US-Präsident Obama, die UN und palestinänserchef Abbas mit dieser neuen Regierung zu recht kommen werden.

Die kleine Jolle der Koaltition mit Lotse Netanjahu befindet sich selbst auf dem Mittelmeer  in unruhigen Gewässern und könnte durch ihrer Jungfernfahrt gewaltig die  Demokratie in Israel ins Rütteln bringen.

Was bitte war daran erfolgreich?

Blogleser Guiseppe war so freundlich den lesenswerten Artikel  von dem Israeli Assaf Gavron(siehe Bild) von Seite 11 aus der SZ vom 27.01.2009 an stonesand weiterzuleiten.
Wie in Israel über den Krieg geredet wird

Jeder Krieg brennt Bilder in das Gedächtnis, die einen eine Zeit lang verfolgen. Eines der Bilder aus dem Gazakrieg vom letzten Monat wird das Bild des weinenden Dr. Abu El-Aish sein, eines palästinensischen Gynäkologen, der in einem israelischen Krankenhaus arbeitet: Nachdem sein Haus von Israelis bombardiert und drei seiner acht Kinder getötet wurden, weinte er hemmungslos vor dem Krankenhaus, in dem eine seiner Töchter um ihr Leben kämpfte. In diesem Moment kam die Israelin Levana Stern auf ihn zu und beschimpfte ihn: “Sie sollten sich schämen, wie sollten wir wissen, was Sie in Ihrem Haus verstecken?”

Levana Sterns” Verhalten spiegelt die innere Haltung der meisten Israeli während dieses Krieges wider: eine Art Unzugänglichkeit, ein blinder Glaube an die israelische Armee und all ihre Handlungen, ein Verschließen der Sinne vor dem Leid der Gegenseite, selbst wenn der Leidende direkt vor einem steht, selbst wenn er ein bekannter Arzt ist, der in einem israelischen Krankenhaus arbeitet und vielen israelischen Frauen bei der Geburt ihrer Kinder geholfen hat, einen Verfechter des Friedens und der Koexistenz, dessen Welt gerade untergeht.

Hier und da wurden Stimmen laut, die Sterns Verhalten unsensibel oder barbarisch nannten. Aber es ist schwer, ihr Vorwürfe zu machen. Schließlich spuckte sie in diesem nur das aus, womit sie der Mainstream zuvor wochenlang gefüttert hatte. Und sie ist beileibe keine Ausnahme, Abu El-Aish wurde unflätigst beschimpft, sei es im Radio, in den Zeitungen oder im Internet, wo jeder seine Meinung anonym verbreiten kann.

Nachrichten als Gehirnwäsche

Was ich während des Gazakriegs als besonders niederschmetternd und verstörend empfand, war die wachsende Intoleranz auf israelischer Seite – nicht nur gegenüber dem Leid der Palästinenser, sondern gegenüber jedweder Meinung, die dem Chor des Mainstreams zuwiderlief, gegenüber jedem Argument, das die Operation in Frage stellte. Es ist schwer, einen zutreffenderen Begriff als den der “Gehirnwäsche” zu finden, um zu beschreiben, wie der Krieg und seine Folgen in den Medien behandelt wurden. Bilder von Tod und Zerstörung auf palästinensischer Seite wurden kaum gezeigt, an allen palästinensischen Opfer in der Zivilbevölkerung wurde der Hamas die Schuld gegeben; beinahe jeder Kommentator rühmte die Aktionen der Israelis, konträre oder kritische Gedanken wurden dazu nicht geäußert. Anti-Kriegs-Demonstrationen wurden ins Lächerliche gezogen, die Protestierenden als ein marginaler Haufen von verrückten Spinnern karikiert (selbst als über 10 000 Leute demonstrierten); und als eine Nachrichtensprecherin Mitleid mit dem palästinensischen Elend zeigte, wurde eine Petition aufgesetzt, sie vom Bildschirm zu verbannen, die in zwei Tagen von 30 000 Menschen unterschrieben wurde.

„Wir” hatten immer recht, waren gezwungen, es zu tun, haben keine Fehler gemacht und verhielten uns vollkommen moralisch. Die Folgen dieser Berichterstattung waren beeindruckend: Laut einer Umfrage hielten 78 Prozent der Israelis (was beinahe alle Juden bedeutet) die Operation für „erfolgreich”.

Ich finde es schwierig, eine militärische Operation als erfolgreich zu bezeichnen, wenn nach drei Wochen über 1300 Palästinenser tot und tausende von Bombardierten verletzt und obdachlos sind, die Hamas immer noch tausend Raketen besitzt und der Schmuggel durch die Tunnel nicht gestoppt wurde. Worin liegt der Erfolg, wenn unter den Toten 300 Kinder sind? Wenn in der ersten Woche des Krieges vier israelische Bürger von Raketen getötet wurden, nachdem im ganzen vergangenen Jahr nur ein Einziger getroffen worden war? Was ist so gut an Resolutionen des UN-Sicherheitsrates, am Streit mit den USA, an den weltweiten anti-israelischen Demonstrationen oder daran, das Venezuela und Bolivien ihre diplomatischen Beziehungen zu uns abgebrochen haben?

Wenn wir eine solche Stufe der Aggressivität erreichen, dass wir es nicht einmal mehr ertragen, der Stimme eines anderen zuzuhören, dann verspielen wir nicht nur die Aussicht auf Ruhe und Frieden in unserer Region, sondern verlieren auch den Anspruch darauf, als zivile, zurechnungsfähige und demokratische Gesellschaft zu gelten. Ich spreche nicht über eine verdüsterte Zukunft, ich spreche darüber, dass in der vergangenen Woche zwei arabischen Parteien, der Balad und der Vereinigten Arabischen Liste Ta”al, die Teilnahme an den Wahlen vom zentralen Wahlkomitee der Knesset verboten wurde. Es ist kein Zufall, dass diese Entscheidung während des Krieges getroffen wurde, in dieser aufgeheizten Atmosphäre, und nicht während der Zeit, als diese Parteien und ihre Mitglieder gewählt wurden und im israelischen Parlament saßen. Wenige Tage später revidierte der Oberste Gerichtshof diese Entscheidung – nachdem der Krieg vorbei war. Der Oberste Gerichtshof hat uns und unsere Demokratie diesmal noch vor einer großen Schande bewahrt. Aber es ist beängstigend zu sehen, wie zerbrechlich die Demokratie manchmal ist.

Israel-Palästina Konflikt

Die israelischen Bodentruppen sind mit zusätzlichen 9000 Reservisten am Gazastreifen angerückt. Der seit der Staatsgründung von 1848 andauernde Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis ist durch die jüngsten Unruhen am Gazastreifen erneut entfacht.

Als neutrale europäische Beobachter ist die Sitatuion im Nahen Osten für uns ein schwierig zu beurteilendes Terrain, ergo plädiere ich stark dafür beide Parteien gleichermaßen zu bewerten.
Da in den Medien in letzter Zeit bewusst nicht über den Konflikt objektiv berichtet worden ist, verweise ich auf einen sehr gut recherchierten Artikel von Cicero, der überaus lesenswert ist.